Punkt. Punkt. Punkt.

Drei Punkte im Text zeigen eine Leerstelle an. Auslassungspunkte heißen sie. Sie können auch für eine Denkpause stehen: Pausen-Punkte. Mal den Alltag liegen lassen – zur Ruhe kommen. In der Bibel müssten diese Pause-Punkte am siebten Tag der Schöpfungserzählung stehen. Erst die Pause. Dann die Erkenntnis: Das ist gut und tut gut.

 

Unsere Welt – nah und fern – ist reich an spirituellen Traditionen, mit denen sich das entdecken lässt. Die christlichen Schätze dafür sind vielfältiger, als der erste Blick scheint. Zugleich sind die spirituellen Wege der verschiedenen Religionen ähnlicher, als man vermutet. Achtsamkeit ist bei ihnen kein Trend, sondern schon immer ihr Kern. Gemeinsam ist ihnen auch, dass sie Pausen und heilige Unterbrechungen immer auch als Beziehungsarbeit sehen. Eine Pause ist kein Selbstzweck, keine Technik, um etwas zu erreichen. Bleib ich nach der Pause beim Meditieren oder Wallfahren oder Pilgern auf mich fokussiert, dann wäre diese Pause hohl und leer. Eine Pause (im Urlaub wie im Alltag) lenkt meinen Blick auf die Beziehung zu mir, zu anderen – und zum Göttlichen. Und jede Pause kennt die beiden Pole, zwischen denen auch der christlich-kontemplative Weg immer pendelt: bei sich sein - nach außen gehen, Haltung - Handeln, achtsam mit sich sein - nicht bei sich bleiben, eintauchen - auftauchen.

 

Im Allgäusegen-Logo stehen die drei Punkte für die heilsamen Unterbrechungen, wofür im Netzwerk eingeladen wird: bewegen – berühren – begegnen. Auch dieses Jahr sind das wieder Abendklänge, Gottesdienste im Freien, Bewegungs- und Pilgerangebote sowie spirituelle Entdeckungen. Manch ein Weg wird an einer Kapelle oder an einem Kraftort vorbeigehen. Sagen-hafte Orte sind es. Da gibt es viel zu sagen über Erbauerinnen und Erbauer, über Heilige, über Menschen, die dorthin gegangen sind und über jene, die es bis heute tun. Viele von ihnen waren ergriffen und berührt, von der Kraft, die diese Orte haben. Sie haben Kraft, weil es heilige Pausen-Orte sind, Orte, wo der Himmel näher rückt.

 

Woran lässt sichs erkennen? Wenn diese Orte und vor allem die Menschen dort nicht zu Einseitigkeit neigen, wenn hier nicht schwarz-weiß gemalt wird. Es lässt sich spüren, ob ein Ort und die Menschen dort zum Bewegen-Berühren-Begegnen einladen. Resonanz ist für diese Orte auch nichts Neues. Ganz im Gegenteil: Die vielen, auch die kleinen heiligen Orte, sind über Jahrhunderte nur deshalb geblieben, weil hier für Menschen etwas in Schwingung kommt. Resonanz erzeugt Relevanz. Und bedeutsam bleiben diese Orte, unsere Kapellen und Kirchen nur dann, wenn sie dieses Versprechen auch in Zukunft halten.

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